DJV Vorsitzender kritisiert ‚Unterbietungswettbewerb’
„Vom Deutschen Journalistenverband (DJV) wurde das Jahr 2011 zur ‚Rettung des Qualitätsjournalismus’ ausgerufen“, so Daniel Völpel (32), Kreisvorsitzender des DJV Ludwigsburg. Eine wie auch immer geartete Einschränkung der Pressefreiheit mit der Begründung Terrorismus-Gefahr ist aus seiner Sicht nicht notwendig, da der Pressekodex bei Gefahr für Leib und Leben Zurückhaltung vorschreibt. Versuche, gerade mit dem Hintergrund ‚terroristischer Bedrohung’ wertete er als ‚Humbug’. Ein ‚Notaus-Knopf’ für das Internet – wie in Ägypten – würde in Deutschland das wirtschaftliche Leben zum Erliegen bringen. Weitere kritische Punkte aus seiner Sicht: eine Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, weil Informanten dann weiterhin in Gefahr seien, enttarnt zu werden sowie der Einfluss auf Berichterstattung aus Behörden. „Die Zahl der Parteipolitiker in den Gremien kann reduziert werden“, mahnte Daniel Völpel mit Blick auf die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, „Qualitätsjournalismus erhält man nicht durch den Versuch des Ausschaltens unliebsamer Berichterstattung.“

Daniel Völpel, Peter Welchering, Erika Schellmann, Martin Müller (v.r.n.l.)
Als ‚Themen-Intro’ zeigte Peter Welchering, Journalist und Mitglied im Deutschen Presserat, vier Gefährdungen der Pressefreiheit auf, welche er jeweils mit einem oder mehreren Beispielen belegte: 1. versuchte Regierungseinflussnahmen (biometrische Daten im Ausweis), 2. Verwaltungen lokal, 3. durch Journalisten selbst (z. B. Falschrecherche) und 4. wirtschaftliche Gründe und Tendenzen durch den Verleger.
Die Diskussion machte deutlich, dass gerade die Anonymität der Hinweise, also der Informantenschutz wichtig sei. Dass gut recherchierender Journalismus für einen Großteil der Leser unbequem zu lesen sei, dieser These widerspricht Daniel Völpel.
Mit Blick in das ‚Innenleben’ des Journalismus beklagten Peter Welchering als auch Daniel Völpel, dass eine große Gefahr des Qualitätsjournalismus aus den Medienhäusern selbst komme. Immer mehr mache sich ‚Unterbietungsjournalismus’ breit, also z.B. die Honorare für freie Journalisten gehen in den Keller, was Daniel Völpel als „ersten Teil des Dramas“ bezeichnete. Den zweiten Teil des Dramas machte er dort aus, wo es dem „fest angestellten Journalist an den Kragen geht, mit teilweise bis zu einem Drittel weniger Einkommen, längerer Arbeitszeit und weniger Urlaubstagen“. Seine Mahnung: Pressekodex und Standesgrundsätze sind in dieser Situation immer seltener zu erfüllen und es sei nicht verwunderlich, dass ein Journalist am Rande des Existenzminimums anfällig werde für Beeinflussung. Ein weiteres Beispiel zunehmender Arbeitsverdichtung, die von Journalisten verlangt werde, ist die Medienkonvergenz, der Journalist ist für mehrere Dinge gleichzeitig verantwortlich: Text, Bild, Rundfunk, Fernsehen. „Dieser Kampf um die ‚innere’ Pressefreiheit läuft im Verborgenen“, beklagt der DJV Kreisvorsitzende. Daniel Völpel zitierte Heribert Prantl, Leiter des Ressorts ‚Innenpolitik’ bei der Süddeutschen Zeitung mit den Worten: „Pressefreiheit ist das tägliche Brot der Demokratie’ und folgerte daraus: „Dann lasst uns Journalisten glückliche Bäcker mit ordentlichen Zutaten sein!“.
Zum Schluss bedankte ich mich beim Referenten mit einem ‚freiheitlichen’ Gutschein und kommentierte: Diesen Gutschein können Sie bei einem selbstständigen Ludwigsburger Buchhändler frei eintauschen. So verstehen wir Meinungsfreiheit.“
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